Dolmetschen

Dolmetscher sind Fachleute für die Kommunikation zwischen Personen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften und Kulturen. Sie verfügen über fundierte Kenntnisse in den jeweiligen Sprachen, beherrschen verschiedene Translationstechniken und kennen die  geschichtlichen und kulturellen Hintergründe, um ein Translat (Produkt eines Übersetzungs- oder Dolmetschvorgangs) von höchster Qualität zu ermöglichen.  Dieses trifft auf Dolmetscher für die Gebärdensprachen und für Dolmetscher aller gesprochenen Sprachen zu. Um ein Höchstmaß an Leistung erbringen zu können, benötigt der Dolmetscher vor seinem Einsatz über ausreichend Vorbereitungsmaterial, das ihm vorab gestellt werden sollte. Die Unterlagen und Informationen dienen ausschließlich der Vorbereitung für den Dolmetscher und werden nicht an Dritte weitergegeben. Der Dolmetscher verpflichtet sich zur Geheimhaltung und Verschwiegenheit bezüglich aller ihm anvertrauten und zugegangenen Informationen und verstößt nicht gegen geltendes Recht (siehe auch BEO).

Gebärdensprachdolmetscher übertragen meist simultan und zusätzlich auch alle relevanten akustischen und visuellen Informationen und ermöglichen reibungslose Kommunikation zwischen hörenden und hörgeschädigten Personen, da Lippenlesen oder Aufschreiben nur bedingt oder manchmal gar nicht für hörgeschädigte Personen möglich sind. Bei Dolmetscheinsätzen für taubblinde Menschen gelten wiederum besondere Bedingungen und Anforderungen.

Simultandolmetschen:
Simultandolmetschen ist eine Form des Dolmetschens bei der das Translat fast zeitgleich mit dem Original produziert wird. Der Begriff „simultan“ bezieht sich hierbei nicht auf die zeitliche Dimension, sondern darauf, dass der Dolmetscher zwei Tätigkeiten zur gleichen Zeit ausübt, nämlich "aufnehmen" und "produzieren". Der zeitliche Abstand zwischen den Äußerungen des Redners oder Signers (Person, die sich mittels Gebärdensprache äußert) und des Dolmetschers wird fachsprachlich als Décalage (frz.: Verschiebung) bezeichnet. Da Simultandolmetschen ein Höchstmaß an Konzentration erfordert, arbeiten Dolmetscher in Teams und wechseln sich während eines Einsatzes in regelmäßigen Abständen ab. So wird durchgehend eine ausgezeichnete Qualität gewährleistet.



Konsekutivdolmetschen:
Hier wird zeitversetzt gedolmetscht. Der Redner/Signer beginnt mit seinen Äußerungen für einen kürzeren Zeitraum und der Dolmetscher überträgt diese dann aus seinem Gedächtnis heraus in die Zielsprache. Bei sehr langen Sequenzen macht sich der Dolmetscher während des "Aufnehmens" Notizen, um ein Translation-Loss (Fehlende Übertragung von Inhalten/Nuancen/Konnotationen in die Zielsprache) zu verhindern.

Dolmetschen vom Blatt (Gebärdensprache):
Dem Dolmetscher wird ein fixierter schriftlicher Text vorgelegt und ihm wird genügend Zeit eingeräumt. Nun werden die schriftsprachlichen Konventionen der Ausgangssprache aufgebrochen und die Inhalte komplett unter Berücksichtigung der gebärdensprachlichen Konventionen in die Gebärdensprache übertragen. Die Übertragung erfolgt konsekutiv, nachdem der Dolmetscher den Text gelesen und bearbeitet hat.